Leinen

 

Das Symbol der Reinheit.

 

 "Gewebtes Mondlicht" nannten schon die Ägypter das Leinengewebe. Die Faser der Flachspflanze besitzt einen feinen Wachsanteil, der noch heute ein gewobenes Stück Leinen im Mondlicht glänzend erscheinen lassen kann. Vielleicht ist dies der Grund für diese poetische Beschreibung dieses so vielseitig zu verwendbaren Materials.

 

Flachsblüte

 

  Als Leinen wird sowohl die Faser als auch das daraus gewobene Gewebe bezeichnet. Als Naturfaser erfährt heutzutage Leinen eine Renaissance, nachdem dieser Stoff Ende des 19. Jahrhunderts fast ausschliesslich durch Baumwolle ersetzt wurde. Leinen ist schon deshalb ökologisch, da sich die Faser bedingt durch ihre spezielle Zellulosestruktur nicht chemisch färben oder bleichen lässt. Nur Naturfarbstoffe wie Indigo oder natürliche Küpenfarbstoffe können sich an die Zellulosemoleküle anlagern und nicht wie bei einer chemischen Färbung in Moleküle einbinden. Die Farbe ist  somit nicht wirklich stabil und kann bei der Wäsche also abfärben oder bei Sonneneinstrahlung bleichen.

  Die Faser ist jedoch unempfindlich gegen Waschmittel, Kochwäsche oder hohe Temperaturen beim Bügeln.

 

                                                                                                                                                                             Leinengewebe  

Auch beim Anbau und der Gewinnung der Faser können Nährstoffe wieder zurück in den Boden gelangen.

 

Flachs stellt keine grossen Anforderungen an den Boden. Er benötigt wenig Düngerzugabe und wächst auf magerem Boden. Monokultur allerdings darf und kann nicht betrieben werden.

Bei der Tauröste, der umweltfreundlichsten Flachsgewinnnungsmethode,  wird das Flachsstroh auf dem Boden abgelegt, parallel ausgerichtet und getrocknet. Durch die Trockung reisst die Aussenhaut des Halmes auf, so dass Mikroorganismen eindringen können. Diese Pilze und Bakterien lösen mithilfe der Taufeuchte die Bindung zwischen den Faserbündeln und dem sie umgebenden Gewebe (dem Stengel). Dieser natürliche Prozess dauert relativ lange und ist witterungsabhängig. Die Tauröste ist ein völlig natürlicher Prozess.

Eine neuere, die Umwelt auch kaum belastende Methode ist die Trennung von Faser und Stengel durch spezielle Dampfhochdruck - Verfahren.

Chemische Verfahren die Faser vom Gewebe zu trennen sind nicht möglich, da die Faser angegriffen werden würde.

 

  Nach der Röste wird das Flachsstroh wieder getrocknet und zur "Schwingerei" gebracht.

Das Stroh wird gebrochen. Der Holzkern wird in kleine Stücke (Schäben) zerkleinert. Beim Schwingen werden dann die Schäben von den Flachsfasern getrennt. Zu Zöpfen gedreht verlassen nun die Langfasern die Schwingerei, nachdem sie zuvor gekämmt (gehechelt), parallelisiert und weiter gereinigt wurden. 

 

Gebleicht wird dannach die Faser mit Wasserstoff-Peroxyd, sollte dies nötig sein. Die Faser kann genauso in ungebleichtem Zustand verarbeitet werden. Diese Gewebe zeigen sich in Naturtönen unterschiedlichster Brauntöne/Grautöne. Wir verwenden bei unseren Kollektionen in der Regel ungebleichte Stoffe.

 

Für die Ausrüstung, also den letzte Arbeitsschritt und gleichzeitig die Veredlung der Faser, genügt bei Leinen eine rein mechanisch-thermische Behandlung zur Erzielung des weichen und fülligen Griffs von Leinen. 

 

 

 

 Wussten Sie, dass

 

... Leinen gesund, hautfreundlich, antiallergisch und antiseptisch ist?

 

... Leinen aufgrund seiner Zellstruktur die Leinenfaser viel Feuchtigkeit aufnehmen und diese auch rasch wieder abgeben kann?

So wirkt Leinen durch seine Absorbtionsfähigkeit von Wasser wie eine Klimaanlage. An heissen Tagen verleiht das Tragen von Leinenbekleidung ein angenehmes Frischegefühl. 

 

... Leinen mit jeder Wäsche weicher und weisser wird?

 

... Leinen im Vergleich zu anderen Bastarten sehr reissfest und unelastisch ist?

 

... der "Knitter" von Leinen sehr edel ist, daher auch der Begriff "Edelknitter"?

 

... Leinen flusenfrei ist?

 

... Leinen eine extrem lange Lebensdauer besitzt? Schon die Mumien Ägyptens waren zur Salbung in zu Streifen geschnittenen Leinengewänder gehüllt.

 

... Leinen vor der industriellen Revolution die meistverwendete Faser zur Kleidungsproduktion war?

 

... die Samen der Flachspflanze öl,- eiweiss- und schleimhaltig sind und somit als Nahrungs-, Futter- und Arzneimittel verwertet werden? Das Leinöl stammt ebenfalls aus den Samen des Ölflachses.